Einführung in die Harborview-Kriterien
Die Harborview-Hochrisikokriterien wurden für die schnelle Triage von Patienten mit Verdacht auf ein HWS-Trauma entwickelt. Ihr Ziel ist es, schwerwiegende Verletzungen, die zu Behinderung oder zum Tod führen können, nicht zu übersehen. Wenn beim Patienten auch nur eines der Kriterien vorliegt, reicht eine Röntgenaufnahme nicht aus – es ist eine Computertomographie (CT) erforderlich.
Liste der Kriterien
Als Indikation für eine CT der Halswirbelsäule gilt das Vorliegen jeglicher der folgenden Faktoren:
- Schweres Schädel-Hirn-Trauma.
- Fokales neurologisches Defizit.
- Multiple Extremitätenfrakturen oder Beckenfraktur.
- Hochenergietrauma bei einem Verkehrsunfall (Kollisionsgeschwindigkeit über 50 km/h bzw. 35 mph).
- Todesfall eines anderen Unfallbeteiligten am Unfallort.
- Sturz aus einer Höhe von 3 Metern oder mehr.
Stellenwert der Röntgendiagnostik beim Trauma
Obwohl die Röntgendiagnostik eine schnelle Beurteilung großer Wirbelsäulenabschnitte ermöglicht, ist sie bei HWS-Traumata nicht die Methode der Wahl. Das Röntgenbild kann bis zu 55 % der klinisch relevanten HWS-Frakturen übersehen. Die Überlagerung von Strukturen (z. B. der Schultern am zervikothorakalen Übergang) erschwert die Interpretation erheblich. Aus diesem Grund wird bei Vorliegen von Harborview-Risikofaktoren direkt zu präziseren bildgebenden Verfahren gewechselt.
Zur Einprägung der Kriterien lässt sich die Eselsbrücke „Neuro-Knochen-Kinetics“ nutzen: Neuro (SHT, neurologisches Defizit), Knochen (Becken, multiple Frakturen), Kinetik (Geschwindigkeit >50, Höhe ≥3m, Tod am Unfallort).
Fragen aus Vorlesungen und Prüfungen
Kann man sich bei Vorliegen der Harborview-Kriterien auf das Röntgen beschränken?
Nein. Das Vorliegen auch nur eines Kriteriums weist auf ein hohes Risiko hin, und in diesem Fall übersieht das konventionelle Röntgen mehr als die Hälfte aller Frakturen. Eine CT ist erforderlich.
Ab welcher Sturzhöhe spricht man von einem Hochrisikokriterium?
Sturz aus einer Höhe von 3 Metern oder mehr.
Welche Unfallgeschwindigkeit bei einem Verkehrsunfall stellt eine Indikation für eine HWS-CT dar?
Kollisionsgeschwindigkeit von über 50 km/h (bzw. 35 mph).
Was es zum Thema noch zu wiederholen gibt
- „Red Flags“ bei Kreuzschmerzen
- „Yellow Flags“ bei Rückenschmerzen und psychosoziale Faktoren
- Indikationen für MRT und CT bei Radikulopathie
- Besonderheiten bei der Durchführung von Röntgenaufnahmen der HWS, BWS und LWS
- Beurteilung der Wirbelsäulenstabilität und Funktionsaufnahmen
Arbeiten Sie das Thema komplett im Kurs „Radiologische Diagnostik“ durch
Hier ist die Zusammenfassung. Im Kurs finden Sie alles, was in Vorlesung und Prüfung gefragt wird.
- Vollständiges Skript zum Thema „Harborview-Kriterien“ und 2.199 weitere Fachseiten
- Aufgaben und Tests nach jedem Thema – wie beim Kolloquium
- Der KI-Tutor beantwortet Ihre Fragen zum Thema jederzeit
- 10 Video-Lektionen zum Fach
Weitere Themen der Rubrik „Wirbelsäule“
Das Material wurde von Dozenten von WhiteCoat Pro nach dem Lehrplan medizinischer Hochschulen erstellt. Es hat Bildungscharakter.