Anatomische Abschnitte
Das Duodenum wird in vier anatomische Segmente unterteilt:
- Erster (oberer) Teil: umfasst den Bulbus duodeni (duodenal cap / bulb). Er verläuft nach kranial, biegt dann nach dorsal und lateral ab und geht in den zweiten Teil über.
- Zweiter (absteigender) Teil: zieht vor der rechten Niede nach kaudal. Ein wichtiges Merkmal ist das Vorhandensein der Papilla duodeni major (Vater-Papille / ampulla of Vater), in die die Ausführungsgänge von Pankreas und Leber münden. Dieser Teil ist teilweise vom Peritoneum bedeckt.
- Dritter (horizontaler) Teil: biegt scharf nach medial ab und verläuft horizontal vor der Wirbelsäule.
- Vierter (aufsteigender) Teil: verläuft links der Aorta nach kranial und endet an der Flexura duodenojejunalis (duodenojejunal flexure) — dem Befestigungspunkt des Treitz-Bands (ligament of Treitz).
Besonderheiten der Struktur und Bildgebung in der Norm
Die Darmschleimhaut weist charakteristische zirkuläre Falten (Valvulae conniventes) auf, die im zweiten Teil beginnen und sich weiter durch den gesamten Dünndarm ziehen. Bei starker Dehnung des Darms können sich diese in Aufnahmen glätten.
An der posteromedialen Wand des absteigenden Teils befindet sich die Vater-Papille. In der Norm kann sie im CT bis zu 1 cm in das Darmlumen hineinragen (Protrusion) und Kontrastmittel ähnlich wie die Darmwand anreichern. Innerhalb der Papille befindet sich der Sphincter Oddi (sphincter of Oddi), der den Zufluss von Galle und Pankreassaft reguliert.
Erkrankungen des Zwölffingerdarms
Die Pathologien des Organs sind vielfältig und erfordern einen gezielten Einsatz bildgebender Verfahren:
- Peptisches Ulkus (peptic ulceration): 95% werden endoskopisch nachgewiesen. Röntgenologisch stellt sich der Ulkuskrater als Bariumansammlung dar, manchmal umgeben von einem Ödemsaum und konvergierenden Schleimhautfalten. Komplikationen (Blutung, Perforation) werden mittels kontrastverstärkter CT (Methode der Wahl) diagnostiziert.
- Divertikel (diverticula): Kommen bei 22% der Menschen vor, häufiger im absteigenden Teil. Es handelt sich um sackartige Ausstülpungen der Wand, die Gas, Flüssigkeit oder oral verabreichtes Kontrastmittel enthalten können.
- Tumoren (neoplasms):
- Gutartige Tumoren (Adenom, Lipom) sind selten.
- Bösartige Tumoren (Karzinom der Vater-Papille, Adenokarzinome) verursachen häufig eine Obstruktion. Ein charakteristisches Zeichen im CT/MRT ist eine asymmetrische Wandverdickung und Lumenverengung.
- Morbus Crohn (Crohn disease): Äußert sich in einer Faltenverdickung und in späteren Stadien in Stricturen. Ein spezifisches röntgenologisches Symptom ist das „Pseudo-Billroth-I“-Zeichen.
Methoden der bildgebenden Diagnostik
Die Wahl der Methode hängt von der klinischen Fragestellung ab:
- Endoskopie: Hat die Bariumröntgenuntersuchung (die heute als historisches Verfahren gilt) abgelöst und ist der Goldstandard zum Nachweis intraluminaler Pathologien.
- Kontrastmittelgestützte CT (CECT): Methode der Wahl in Notfallsituationen (Perforation, Blutung). Ermöglicht die Beurteilung der Darmwand, des umgebenden Fettgewebes und des Vorliegens eines Pneumoperitoneums.
- Angiographie: Unverzichtbar bei akuten Blutungen, wenn die Quelle endoskopisch nicht lokalisiert werden kann.
Kurz gefasst: Antworten auf Fragen zum Thema
Welche Bänder fixieren den Zwölffingerdarm an benachbarten Strukturen?
In den Quellen werden das Ligamentum hepatoduodenale und das Treitz-Band erwähnt. Das Ligamentum hepatoduodenale enthält den supraduodenalen Teil des Ductus choledochus in seinem rechten Rand. Der vierte, aufsteigende Teil des Duodenums endet an der Flexura duodenojejunalis, die mit dem Treitz-Band verbunden ist.
Aus welchen Arterien erfolgt die Blutversorgung des Zwölffingerdarms?
Die Blutversorgung des Zwölffingerdarms erfolgt über vordere und hintere arterielle Bögen sowie Äste anderer Arterien.
- Pankreatikoduodenale Arterien — die obere und untere hintere Arterie versorgen die Hinterwand; die vordere und untere hintere Arterie sind an der Versorgung der flexura duodenojejunalis beteiligt.
- Äste anderer Arterien — aa. gastroduodenalis, gastroepiploica dextra, gastrica dextra et hepatica propria.
- Erste Jejunalarterie — ist ebenfalls an der Versorgung der flexura duodenojejunalis beteiligt.
An welche Organe grenzt der absteigende Teil des Zwölffingerdarms?
Der absteigende Teil des Zwölffingerdarms liegt anterior der rechten Niere und posterior des Colon transversum. Er steht zudem mit der C-Schleife des Duodenums und der Bauchspeicheldrüse in Verbindung.
In welche Lymphknoten erfolgt der Lymphabfluss aus dem Zwölffingerdarm?
Der Lymphabfluss aus dem Zwölffingerdarm erfolgt in mehrere Gruppen regionaler und kollektiver Lymphknoten.
- Regionale Lymphknoten — befinden sich in der Leberpforte, an den Rändern der Bauchspeicheldrüse und an der Basis des Dünndarmmesenteriums.
- Zöliakale Lymphknoten (nodi lymphoidei coeliaci) — stellen ein Lymphkollektiv zweiter Ordnung für den oberen Teil des Zwölffingerdarms dar und befinden sich am Truncus coeliacus.
Duodenalabschnitte: O-A-H-A — Oberer (Bulbus), Absteigender (Vater-Papille), Horizontaler (vor der Wirbelsäule), Aufsteigender (Treitz-Band).
Fragen aus Vorlesungen und Prüfungen
In welchem Teil des Duodenums befindet sich die Papilla duodeni major (Vater-Papille)?
Die Vater-Papille befindet sich an der posteromedialen Oberfläche des zweiten (absteigenden) Duodenalabschnitts.
Welche bildgebende Methode ist bei Verdacht auf eine Ulkusperforation primär indiziert?
Die Methode der Wahl in einer Notfallsituation ist die kontrastverstärkte CT (CECT).
Was versteht man unter dem „Double-Duct-Sign“ (Doppelgangphänomen)?
Dies ist eine gleichzeitige Erweiterung des Gallengangs und des Pankreasgangs, die häufig im CT oder MRT bei ampullären oder periampullären Tumorprozessen beobachtet wird.
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