Befundung des Thoraxröntgenbildes: Der ABCDE-Algorithmus

Schritt-für-Schritt-ABCDE-Algorithmus zur Interpretation des Thoraxröntgenbildes: Beurteilung der Atemwege, der Lunge und Pleura, des Herzens, des Diaphragmas sowie aller übrigen Strukturen mit Erläuterung wichtiger pathologischer Befunde.

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Warum ein systematischer Ansatz beim Röntgenbild notwendig ist

Grobe Veränderungen im Übersichtsröntgenbild des Thorax — ein massiver Hydrothorax oder ein radiopaken Fremdkörper — lassen sich unschwer erkennen. Schwierigkeiten bereiten feine Veränderungen wie Sarkoidose, kleiner Pneumothorax, Rippenbrüche oder initiale Infiltrate. Um solche Befunde nicht zu übersehen, wird der standardisierte ABCDE-Algorithmus angewendet, mit dem das Bild in 5–10 Minuten systematisch und unter Erfassung aller anatomischen Zonen beurteilt werden kann.

A — Airway: Atemwege

Die Beurteilung beginnt nicht mit den Lungenfeldern, sondern mit den luftleitenden Strukturen. Drei Bereiche werden nacheinander analysiert:

B — Breathing: Lunge und Pleura

Erst nach Beurteilung der Atemwege werden die Lungenfelder analysiert. Verglichen werden die Lungenzeichnungen rechts und links. Dichte-Richtwert: Alles, dessen Intensität sich der von Knochen annähert, gehört zu Flüssigkeit, Infiltrat oder Weichteilraumforderung.

C — Cardiac: Herz und Mediastinum

Im Normalfall überschreitet der Querdurchmesser des Herzens in der p.a.-Aufnahme 50 % der Thoraxbreite nicht (kardiothorakaler Index). Eine Überschreitung dieses Wertes wird als Kardiomegalie bezeichnet. Danach werden die Konturen nacheinander analysiert: rechter Vorhof, linker Ventrikel, Aortenbogen, Pulmonalarterienstamm. Die Beurteilung der Konturen hilft beim Verdacht auf eine Dilatation spezifischer Herzhöhlen und großer Gefäße.

D — Diaphragm: Zwerchfell und subphrenischer Raum

Anatomische Norm: Die rechte Zwerchfellkuppel liegt höher als die linke, unter der linken Kuppel ist die Magenblase abgrenzbar. Der Zwerchfellrand liegt normalerweise der Leber dicht an und ist von ihr nicht getrennt.

E — Everything else: Alle übrigen Strukturen

In der abschließenden Phase werden Strukturen beurteilt, die etwa 5 % der Diagnosen liefern, aber für die Vollständigkeit des Befundes von kritischer Bedeutung sind.

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