Antiarrhythmika: Vaughan-Williams-Klassifikation und klinische Anwendung

Besprechung der vier Hauptklassen von Antiarrhythmika nach Vaughan Williams sowie der Medikamente der Klasse V: Wirkmechanismen auf das Aktionspotential, Indikationen bei Vorhofflimmern, supraventrikulären und ventrikulären Tachykardien, Nebenwirkungen.

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Vaughan-Williams-Klassifikation

Antiarrhythmika werden traditionell in vier Hauptklassen unterteilt, zu denen man übergangsweise eine fünfte (heterogene Substanzen) hinzuzieht:

Der Schlüssel zum Verständnis der Medikamentenwirkung ist die Kenntnis der Phasen des Aktionspotentials von schnellem Gewebe (Ventrikelmyokard) und langsamem Gewebe (Sinus- und AV-Knoten). Das langsame Gewebe ist calciumabhängig, das schnelle Gewebe ist natriumabhängig.

Klasse II: Betarezeptorenblocker

W Wirkstoffe mit der Endung „-olol“ (Metoprolol, Bisoprolol, Esmolol, Carvedilol) wirken vor allem auf den AV-Knoten. Sie verlangsamen Phase 4 der spontanen diastolischen Depolarisation und verlängern Phase 0, wodurch sie die Frequenz der Impulsgenerierung senken.

Hauptindikation ist die Frequenzkontrolle bei Vorhofflimmern und Vorhofflattern: Die Medikamente stellen keinen Sinusrhythmus wieder her, verringern aber die Anzahl der Impulse, die durch den AV-Knoten zu den Ventrikeln geleitet werden. Sie werden auch bei atrialen Extrasystolen und ventrikulären Tachykardien eingesetzt (Reduktion sympathischer Einflüsse).

Nebenwirkungen: Bronchospasmus (Vorsicht bei Asthma und COPD), Bradykardie und AV-Blockierungen, Dekompensation einer Herzinsuffizienz, Maskierung von Hypoglykämiesymptomen bei Diabetikern.

Klasse I: Natriumkanalblocker

Merkregel für die Blockadestärke: C > A > B (je stärker die Blockade, desto stärker die Verlangsamung der Phase 0).

Klasse IV: Calciumkanalblocker

Nicht-dihydropyridinartige Calciumkanalblocker Verapamil und Diltiazem hemmen L-Typ-Calciumkanäle des langsamen Gewebes im AV-Knoten und in den Vorhöfen. Sie verlangsamen die Erregungsleitung durch den AV-Knoten und unterdrücken frühe sowie späte Nachdepolarisationen.

Indikationen: Frequenzkontrolle bei Vorhofflimmern/-flattern, Kupierung von supraventrikulären Tachykardien. Kategorisch kontraindiziert bei ventrikulärer Tachykardie: Das Medikament wirkt nicht auf die Ventrikel, blockiert aber den AV-Knoten und verursacht eine systemische Vasodilatation mit Hypotonie, was zu Myokardischämie und dem Umschlagen in Kammerflimmern führen kann.

Nebenwirkungen: Bradykardie, AV-Blockierungen, Dekompensation einer chronischen Herzinsuffizienz, Verstopfung, periphere Ödeme. Antidot bei Überdosierung sind Calciumpräparate.

Klasse III: Kaliumkanalblocker

Hauptmedikamente sind Amiodaron, Dronedaron, Sotalol, Dofetilid, Ibutilid. Die Blockade von Kaliumkanälen verlängert Phase 3 der Repolarisation und erhöht das QT-Intervall.

Amiodaron ist einzigartig: Es blockiert sowohl schnelle (IKr) als auch langsame (IKs) Kaliumkanäle sowie Natrium-, Calciumkanäle und Betarezeptoren. Verursacht praktisch keine Torsades de pointes, ist wirksam bei Vorhofflimmern und ventrikulären Tachykardien, auch bei struktureller Herzerkrankung. Nebenwirkungen beruhen auf dem Jodgehalt (~40%): Schilddrüsenfunktionsstörung, Lungenfibrose, Hepatotoxizität, Hornhautablagerungen, graublaue Hautpigmentierung. Kontrolle von TSH, T3, T4, Lungenfunktion, Leberwerten und EKG ist erforderlich.

Sotalol, Dofetilid und Ibutilid verursachen häufig Torsades de pointes (Sotalol in bis zu 60% der Fälle). Sotalol besitzt zusätzlich betablockierende Aktivität.

Klasse V: Adenosin, Digoxin und andere

Klinische Szenarien und Therapiekontrolle

Vorhofflimmern und Vorhofflattern:

Supraventrikuläre Tachykardie (AVNRT, AVRT): Adenosin; bei WPW mit Vorhofflimmern – nur Procainamid, AV-Knoten-Blockade ist kontraindiziert.

Torsades de pointes: Absetzen QT-verlängernder Medikamente; Magnesiumsulfat; Lidocain; Frequenzsteigerung. Das QT-Intervall wird verlängert durch Antiarrhythmika der Klassen IA und III (außer Amiodaron), Makrolide, Fluorchinolone, Antipsychotika, Antidepressiva, Antiemetika; verschlimmert durch Hypokaliämie und Hypomagnesiämie.

Ventrikuläre Tachykardien: Betablockierer immer; bei postinfarktbedingter ventrikulärer Tachykardie – Lidocain, ohne Infarkt – Amiodaron.

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