Allgemeine Charakteristik und Klassifikation des Epithels
Epithel ist ein Randgewebe, das zwei grundsätzlich verschiedene Funktionen erfüllt, auf denen die Basalklassifikation beruht. Deckepithel kleidet die äußeren und inneren Körperoberflächen aus und bildet eine Barriere. Drüsenepithel ist auf Sekretion spezialisiert – die Synthese und Freisetzung biologisch aktiver Substanzen.
Aus Sicht der embryonalen Entwicklung kann das Epithel aus fünf Quellen stammen: Ektoderm, Entoderm, Mesoderm, Neuralrohr und Mesenchym. Von der Entwicklungsquelle hängen die morphologischen und funktionellen Besonderheiten des jeweiligen Epitheltyps ab.
Schlüsselmerkmale der Epithelmorphologie
Die Identifizierung von Epithel im Mikroskopiepräparat stützt sich auf mehrere stabile Merkmale, die seine Schutzfunktion und Randposition widerspiegeln:
- Zellverband — Zellen sind in einer geschlossenen Schicht ohne Interzellularsubstanz angeordnet, was die Barrierefunktion gewährleistet.
- Basalmembran — eine Struktur, die das Epithel vom darunterliegenden Bindegewebe trennt und als Stütze dient; in ihrer Zone befinden sich Kambiumzellen, die für die Regeneration verantwortlich sind.
- Zellpolarität — man unterscheidet einen apikalen (dem Lumen oder der äußeren Umgebung zugewandten) und einen basalen (der Membran anliegenden) Pol.
- Fehlen von Blutgefäßen — die Ernährung erfolgt diffus vonseiten der Basalmembran; dies erhält die Dichte des Zellverbands aufrecht.
- Hohe Regenerationsfähigkeit — gleicht die ständige mechanische und chemische Einwirkung der äußeren Umgebung aus.
Klassifikation des Deckepithels
Das Klassifikationsprinzip basiert auf dem Verhältnis der Zellen zur Basalmembran. Einschichtiges Epithel — alle Zellen haben Kontakt zur Basalmembran. Mehrschichtiges — nur die unterste (basale) Schicht ist mit der Membran verbunden.
- Einschichtiges Epithel wird nach der Anzahl der Zellkernreihen in einschichtig und mehrreihig unterteilt sowie nach der Zellform in platt, kubisch, prismatisch.
- Mehrschichtiges Epithel wird unterteilt in verhorntes mehrschichtiges Plattenepithel, unverhorntes mehrschichtiges Plattenepithel und Urothel (Übergangsepithel). Zusätzlich wird die Form der Zellen der obersten Schicht angegeben.
Analyse des Mikroskopiepräparats
Bei der Arbeit mit dem Präparat wird das Epithel an den Schnitträndern gesucht – am oberen oder unteren Rand. Zunächst wird die dünne Basalmembran identifiziert, über der sich der Zellverband befindet. Der wichtigste diagnostische Schritt ist festzustellen, ob alle Zellen die Membran berühren: Ist dies der Fall, handelt es sich um einschichtiges Epithel. Im Tracheopräparat ist beispielsweise einschichtiges mehrreihiges Flimmerepithel zu erkennen: man sieht den Zellverband, die Basalmembran, das Fehlen von Gefäßen und eine deutliche Polarität mit einem apikalen Pol, der Zilien trägt.
Drüsenepithel
Das Drüsenepithel bildet Drüsen – Strukturen, die auf Sekretion spezialisiert sind. Nach der Zellzahl unterscheidet man einzellige (z. B. Becherzellen) und mehrzellige Drüsen. Nach der Sekretionsrichtung unterscheidet man exokrine (geben das Sekret über einen Ausführungsgang an die Oberfläche ab) und endokrine Drüsen (geben Hormone ins innere Milieu ab und besitzen keine Ausführungsgänge).
Eine mehrzellige exokrine Drüse besitzt stets zwei strukturelle Komponenten:
- Ausführungsgang — Weg der Sekretableitung;
- Endstück (sekretorischer Abschnitt) — Ort der Sekretsynthese.
Klassifikation exokriner Drüsen
Die Beschreibung einer Drüse stützt sich auf drei Merkmale:
- Aufbau des Ausführungsgangs: einfache Drüse — Gang verzweigt sich nicht; zusammengesetzte — Ausführungsgang ist verzweigt.
- Aufbau des Endstücks: unverzweigt oder verzweigt — wird durch das Vorhandensein mehrerer sekretorischer Abschnitte bestimmt, die in denselben Gang münden.
- Form des Endstücks: tubulär, alveolär (beerenförmig) oder tubuloalveolär (gemischt).
Schlüsselpunkte
- Das Epithel wird nach seiner Hauptfunktion in Deck- und Drüsenepithel unterteilt.
- Entwicklungsquellen: Ektoderm, Entoderm, Mesoderm, Neuralrohr, Mesenchym.
- Hauptmerkmale des Epithels: Zellverband, Basalmembran, Polarität, Gefäßlosigkeit, hohe Regeneration.
- Einschichtiges Epithel — alle Zellen auf der Basalmembran; mehrschichtiges — nur die unterste Schicht.
- Mehrschichtiges Epithel kommt als verhorntes, unverhorntes Plattenepithel und als Übergangsepithel vor.
- Drüsen werden in einzellige und mehrzellige, exokrine und endokrine unterteilt.
- Eine exokrine Drüse besteht aus einem Ausführungsgang und einem Endstück.
- Klassifikation von Drüsen: nach dem Gang (einfach/zusammengesetzt), nach dem Endstück (verzweigt/unverzweigt) und dessen Form (tubulär/alveolär).