EKG bei Herzglykosid-Überdosierung

Wirkungsmechanismus von Herzglykosiden, typische EKG-Anzeichen einer Überdosierung: schüsselförmige ST-Strecken-Depression, biphasische T-Welle, Rhythmus- und Überleitungsstörungen.

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Wirkungsmechanismus von Herzglykosiden

Herzglykoside (Digoxin, Digitoxin u. a.) entfalten ihre positiv inotrope Wirkung über die Hemmung von zwei wesentlichen Membrantransportsystemen der Kardiomyozyten.

Bei einer Überdosierung verschiebt sich das Elektrolytgleichgewicht in den pathologischen Bereich: Die intrazelluläre Kaliumkonzentration sinkt, während der Calciumspiegel stark ansteigt, was die elektrische Stabilität der Kardiomyozyten beeinträchtigt.

Typische Veränderungen der ST-Strecke und der T-Welle

Das Haupt- und charakteristischste EKG-Merkmal der Glykosidsättigung und -überdosierung ist die schüsselförmige ST-Strecken-Depression unterhalb der Isolinie. Die Form der Versenkung erinnert an eine Mulde oder ein Boot: sanft abfallender Übergang von der R-Welle, konkave Unterseite und Anstieg zur T-Welle.

Diese Veränderungen spiegeln das Phänomen der Glykosidsättigung wider und bedeuten für sich genommen nicht zwingend Toxizität – erst ihre Kombination mit Arrhythmien weist auf eine Überdosierung hin.

Rhythmus- und Überleitungsstörungen

Die Kombination aus hypokaliämischer Verschiebung innerhalb der Zelle und Calciumüberlastung erhöht die ventrikuläre Myokarderregbarkeit und hemmt gleichzeitig den Automatie des Sinusknotens sowie die Überleitung im AV-Knoten. Dies erklärt das charakteristische „Doppelgesicht“ der Digitalisintoxikation in Bezug auf Arrhythmien: ventrikuläre ektopische Aktivität bei gleichzeitiger Bradykardie und AV-Blockierung.

Hinsichtlich der Häufigkeit bei Überdosierung lassen sich folgende Störungen unterscheiden:

EKG-Analyse bei Digitalisintoxikation

Bei der Auswertung des EKG-Streifens eines Patienten unter Glykosidtherapie sollten nacheinander folgende Merkmale gesucht werden:

  1. Beurteilung der ST-Strecke in Ableitungen mit dominanter R-Zacke – Vorhandensein einer schüsselförmigen Depression.
  2. Analyse der Form der T-Welle – Biphasie oder Negativität mit asymmetrischem Verlauf.
  3. Messung der PQ- und QT-Intervalle – eine PQ-Verlängerung weist auf einen AV-Block hin, die QT-Verkürzung ist typisch für die Glykosidwirkung.
  4. Identifikation ektopischer Komplexe, Beurteilung ihrer Morphologie und Frequenz.
  5. Beurteilung des Grundrhythmus – Sinusrhythmus, Bradykardie, Vorhofflimmern mit langsamer Kammerfrequenz.

Differentialdiagnose

Die schüsselförmige ST-Depression und T-Wellen-Inversion erfordern eine Differentialdiagnose gegenüber Myokardischämie und Nicht-ST-Strecken-Myokardinfarkt (NSTEMI). Im Gegensatz zu ischämischen Veränderungen weist die Digitalisdepression eine charakteristische konkave Form auf, ist gewöhnlich in vielen Ableitungen mit hohem R nachweisbar und geht mit einer QT-Verkürzung einher. Ischämische Depressionen sind häufig horizontal oder absteigend, begleitet von einer symmetrisch negativen T-Welle und einer QT-Verlängerung.

Zudem werden klinische Daten berücksichtigt: Medikamenteneinnahme, Digoxin-Plasmakonzentration, Kalium- und Magnesiumspiegel, begleitende Niereninsuffizienz sowie dyspeptische und neurologische Intoxikationszeichen.

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