6 Themen mit kurzer Übersicht: Definitionen, Kernfakten und Fragen aus den Seminaren.
Dieses Kapitel widmet sich der komplexen Mechanik der Unterkieferbewegungen und dem Zusammenspiel der Elemente des stomatognathen Systems. Das Verständnis der Biomechanik ist das absolute Fundament, ohne das eine fachgerechte Modellierung des okklusalen Zahnhaars und die Konstruktion von Prothesen undenkbar sind.
In diesem Abschnitt analysieren wir detailliert die Bewegungstrajektorien des Unterkiefers in der Sagittal- und Transversalalebene. Sie erlernen die Schlüsselbegriffe der Artikulation und Okklusion und machen sich mit den Geräten vertraut, die diese Bewegungen unter Laborbedingungen simulieren — den Okklusoren und Artikulatoren.
In praktischen Übungen und Prüfungen wird am häufigsten nach dem Unterschied zwischen zentraler, protrusiver und laterotrusiver Okklusion gefragt; zudem wird verlangt, Gelenk- und Inzisalbahnen zu zeichnen und zu erklären sowie die wichtigsten Winkel (Benington-Winkel bzw. Bennett-Winkel, Sagittaler Gelenkbahnwinkel) zu benennen. Widmen Sie dem Aufbau des Artikulators besondere Aufmerksamkeit — dieses Wissen werden Sie bereits in Ihrer ersten klinischen Praxis gut gebrauchen können.
Warum ragt der Unterkiefer bei totalem Zahnverlust nach vorne?
Dieses Phänomen wird als senile Progenie bezeichnet. Bei Zahnverlust (Adentie) resorbieren die Alveolarkämme, und die Kieferrelation wird nun anhand der Basalbögen bestimmt. Da der untere Basalbogen breiter ist als der obere, schiebt sich der Unterkiefer optisch stark nach vorne.
Worin besteht der prinzipielle Unterschied zwischen Artikulation und Okklusion?
Die Artikulation umfasst absolut jegliche Bewegungen des Unterkiefers im Kiefergelenk (ART). Die Okklusion hingegen ist lediglich ein Spezialfall der Artikulation, bei dem zwingend ein physischer Kontakt der Zahnreihen von Ober- und Unterkiefer stattfindet.
Worin unterscheidet sich die habituelle Okklusion von der zentrischen Okklusion?
Bei der habituellen Okklusion besteht eine maximale Interkuspidation der Zahnreihen, jedoch nehmen die Gelenkköpfe der Kiefergelenke dabei nicht zwingend eine strikt zentrale Position in den Gelenkgruben ein. Für eine echte zentrische Okklusion ist die korrekte Position im Gelenk obligatorisch.
Welche Muskeln ermöglichen die protrusive Okklusion?
Die Vorschubbewegung (Protrusion) des Unterkiefers erfolgt durch die gleichzeitige (bilaterale) Kontraktion der Musculi pterygoidei laterales.
Was ist der Bennett-Winkel und wo bildet er sich aus?
Hierbei handelt es sich um den Winkel, der bei einer Seitwärtsbewegung des Kiefers auf der balancing (nicht-arbeitenden) Seite entsteht. Er projiziert sich in die horizontale Ebene und wird zwischen der Sagittalebene und der Trajektorie des sich medialwärts verlagernden Gelenkkopfs gebildet.
Was ist der interokklusale Abstand und wie lautet dessen Norm?
Dies ist der Abstand zwischen den Antagonisten im Frontzahnbereich, wenn sich der Unterkiefer in der Position der relativen physiologischen Ruheendlage befindet. Der Durchschnittswert beträgt 2–4 mm.
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