Viraler Hepatitis B: Epidemiologie, Klinik, serologische Marker und Therapie

Übersicht zur Virushepatitis B für Medizinstudierende: Übertragungswege, klinische Stadien, Interpretation serologischer Marker (HBsAg, HBeAg, anti-HBc, anti-HBs), PCR-Diagnostik und Prinzipien der antiviralen Therapie mit Nukleosidanaloga.

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Definition und epidemiologische Bedeutung

Virushepatitis B ist eine anthroponotische Infektionskrankheit mit Kontakt- und vertikalem Übertragungsweg, die durch eine zyklisch verlaufende parenchymatöse Hepatitis, Gelbsucht und eine mögliche Chronifizierung gekennzeichnet ist. Die anthroponotische Natur bedeutet, dass der Infektionserreger ausschließlich im Menschen reservoirgebunden ist.

Nach Angaben der WHO starben 2019 schätzungsweise 820.000 Menschen an Hepatitis B. Weltweit weisen mehr als 2 Milliarden Menschen serologische Beweise für eine durchgemachte oder aktuelle Infektion auf. Gleichzeitig erhalten weniger als die Hälfte der Kinder weltweit eine Impfung, deren Wirksamkeit und Sicherheit bei etwa 95 % liegt.

Infektionsquellen und Übertragungswege

Infektionsquelle sind Patienten mit akuten und chronischen Formen sowie Virussträger. Das Virus ist in Blut, Sperma, Speichel, Tränen, Urin, Fäzes, Vaginalsekret, Zerebrospinal- und Nabelschnurflüssigkeit nachweisbar, wobei Blut und Sperma aufgrund der hohen Erregerkonzentration das größte epidemiologische Risiko darstellen.

Der Übertragungsweg ist parenteral. Man unterscheidet folgende Wege:

Die vertikale (plazentare) Übertragung hängt vom Gestationsalter ab: Im I. und II. Trimenon liegt das Risiko bei 3–6 %, im III. Trimenon erreicht es bei HBsAg- und HBeAg-positiven Müttern bis zu 100 %.

Klinisches Bild der akuten Hepatitis B

Die Erkrankung wird in eine akute (bis zu 6 Monate) und eine chronische (mehr als 6 Monate) Form unterteilt. Die Dauer wird durch den Nachweis von HBsAg im Blut definiert. Die akute Hepatitis B verläuft in vier Stadien.

Die typische ikterische Form tritt nur in 20–30 % der Fälle auf. Weitaus häufiger werden anikterische, verdeckte (abortive) und inapparente subklinische Formen registriert, die sich durch unspezifische Schwäche, Bitterkeit im Mund und Schweregefühl im rechten Oberbauch äußern, was die rechtzeitige Diagnostik erschwert.

Serologische Marker und ihre Interpretation

Die Labordiagnostik basiert auf ELISA (Antigene und Antikörper) und PCR (Virus-DNA).

Es gibt sich gegenseitig ausschließende Marker: HBsAg und anti-HBs, HBeAg und anti-HBe können nicht gleichzeitig nachgewiesen werden — ihr gemeinsamer Nachweis erfordert eine Wiederholung der Analyse. Die zuverlässigste Methode ist der Nachweis der Virus-DNA mittels PCR, womit sich Virustyp, Viruslast und Therapieansprechen bewerten lassen.

Algorithmus zur Auswertung des serologischen Profils

Therapieprinzipien

Die Behandlung der akuten Hepatitis B erfolgt unter stationären Bedingungen in einer Infektionsabteilung mit obligatorischer Hospitalisierung. In 90–95 % der Fälle kommt es zu einer spontanen Viruselimination, weshalb eine spezifische antivirale Therapie nicht immer erforderlich ist. Bei Indikation werden Nukleosid- und Nukleotidanaloga eingesetzt: Lamivudin, Entecavir, Telbivudin, Tenofovir — jeweils ein Medikament in Standarddosis einmal täglich.

Die Therapiedauer beträgt mindestens 3 Monate, bis zum Erreichen der Serokonversion (Verschwinden von HBeAg und Auftreten von anti-HBe), des Rückgangs von HBsAg und der Viruslast auf ein nicht nachweisbares Niveau.

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